18.11.2017 - 11:04h
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Geschichte

Das Schloß Rauschenberg mag als Burg um das Jahr 1000 durch das Stift Fulda angelegt sein und gelangte im Laufe des 12. Jahrhunderts in den Besitz der ursprünglich als Stiftsvögte eingesetzten Grafen von Ziegenhain. Die heutige Oberburg stammt aus dem 13. Jahrhundert. Nach dem Tode Johanns II., des letzten Ziegenhainer Grafen, im Jahre 1450 diente die Burg zunächst als Sitz der letzten Gräfinwitwe Elisabeth und wurde dann von den Erben, den Landgrafen von Hessen, meist als Jagdsitz benutzt.

Von 1594 bis 1597 fanden umfassende Renovierungs- und Neubauarbeiten unter dem regierenden Landgrafen Ludwig IV. von Hessen-Marburg statt, die die Burg zu einem Schloß werden ließen. Nach dem kinderlosen Tode Ludwigs IV. wurde Oberhessen 1604 zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt geteilt, wobei die nördliche Hälfte mit Rauschenberg an Kassel fiel. Seitdem ist das Schloß vermutlich nur noch Sitz des Schultheißen gewesen.

Wegen Verstößen gegen das Testament Ludwigs IV. sprach ein Urteil des Reichshofrats 1623 ganz Oberhessen und damit auch Schloß, Stadt und Amt Rauschenberg dem verfeindeten Hessen-Darmstadt zu, das 1624 Besitz ergriff. Hessen-Kassel konnte sich mit dem Verlust der Gebiete nicht abfinden und ging an die militärische Rückeroberung. In der Endphase des 30jährigen Krieges schrieb am 24. Januar 1646 der kasselische Generalmajor Geyso: Rauschenberg liegt sehr hoch. Ich werde sehen, ob ich eine Partie davor machen kann... wiewohl alle diese Häuser wohlbesetzt sind.

Trotz der starken darmstädtischen Besatzung wurde das Schloß eine Woche später erobert, fiel im August wieder an Hessen-Darmstadt und wurde nach der Wiedereroberung durch die kasselischen Truppen im November 1646 gesprengt. Der entstandene „Steinhaufen“ diente in den folgenden Jahrhunderten den Rauschenberger Bürgern als Steinbruch zum Bau ihrer Häuser.

Die vorhandenen Mauerreste lassen den Umfang der früheren Schlossanlage erahnen.


Wir über uns

Im Frühjahr 1992 begannen Sanierungsarbeiten an der inneren Ringmauer der Burgruine Rauschenberg. Dabei wurde mit einem Bagger auf dem oberen Burghof ringsum vor der Mauer ein Graben von einem Meter Breite und einem halben Meter Tiefe ausgehoben. Der Abraum sollte ursprünglich abtransportierte und der Graben verfüllt werden.

Wir bemerkten, dass dieser Abraum sehr stark mit Keramikscherben und Schieferbruchstücken versetzt war, die unsere Neugier erregten und weiteres Interesse erweckten, da über die Burg Rauschenberg, ihre Baugeschichte, ihre Bewohner und ihr SchicksaI nach der Zerstörung kaum etwas bekannt war.

Wir bemühten uns deshalb in Absprache mit dem Hessischen Forstamt Rauschenberg bei dem Landesamt für Denkmalpflege um die Erlaubnis, den aus drei großen Stein- und Erdhaufen bestehenden Abraum durchzusehen und durchzusieben.

Nachdem die Genehmigung erteilt war, fanden wir beim Aussieben eine große Anzahl Bruchstücke von Ofenkacheln, Gebrauchskeramik und Butzenscheiben, neben Eisenteilen und Tierknochen. Schon die erste Sichtung zeigte, dass aus den Ofenkachelbruchstücken eine Reihe von Bildmotiven zusammengesetzt werden konnte, die ganze Bildserien vermuten ließen. Nach umfangreichem Studium einschlägiger Literatur und Beratung mit Fachwissenschaftlern konnten wir eine zeitliche und künstlerische Zuordnung treffen.