21.10.2017 - 03:13h
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Allegorien

Melancholia

Orginal Kachelabbildung Melancholia
Allegorie der Melancholie,
Teil einer Serie von Allegoriekacheln

Den Kachelrahmen bilden zwei kannelierte Säulen, auf deren Kapitellen ein mit Akanthusblättern geschmückter Bogen ruht. In den oberen Ecken (Zwickeln) befinden sich glockenförmige Blumen mit kugelförmigen Staubblättern. Vom Rahmen fehlt allerdings die linke Säule. Auch die rechte ist nur noch zum Teil erhalten. Gleichwohl lässt sich der Rahmen aus vollständig erhaltenen Kacheln bzw. aus Rahmenteilen der anderen Motive der Allegorieserie rekonstuieren.

Die Melancholia wird als junge Frau dargestellt, deren unbedeckte gelockte Haare bis zur Schulter reichen. Sie trägt ein faltenreiches antikisierendes Gewand mit kurzen Ärmeln, das in der Hüfte gegürtet ist. Sie sitzt offenbar auf einer Ofenbank (!), der rechte Fuß ruht auf einem Fußschemel. Den Kopf legt sie in die Hand des rechten aufgestützten Armes. Dabei schaut sie den Betrachter sinnierend an, nicht wirklich melancholisch. Mit der linken Hand hält sie ein kleines Schoßtier fest, wohl ein Hündchen, das auf ihrem linken Oberschenkel ruht.


Justitia

Orginal Kachelabbildung der Gerechtigkeit

Zu der Serie der Allegoriekacheln gehört die vorliegende Darstellung der Gerechtigkeit, die auf einer Ofenbank sitzend als altrömische Göttin Justitia dargestellt wird. Angetan ist sie mit einem klassischen Gewand, das sich in fließenden Falten um ihren Körper schmiegt und ihre Weiblichkeit betont. Der Fußboden der Szene besteht aus Fliesen, dargestellt durch Einritzungen. Justitia hält in ihrer Linken eine Waagschale, die sich nicht im Gleichgewicht befindet. In Ihrer rechten Hand hält sie ein mit der Spitze nach oben gerichtetes Schwert.

Der äußere Rahmen besteht jeweils auf der rechten und linken Seite aus einer kannelierten Säule. Den inneren Rahmen schmücken blumenverzierte Säulen verbunden mit einem ebenso geschmückten Bogen. In den oberen Ecken (Zwickeln) befinden sich glockenförmige Blumen mit kugelförmigen Staubblättern.

Allgemein gilt die Gerechtigkeit als eine der vier Kardinaltugenden, neben den Tugenden Mäßigung, Klugheit und Mut. Alle Werte und Tugenden setzen Gerechtigkeit grundsätzlich voraus.

Die Waage mit den beiden Schalen soll die Ausgewogenheit der Interessen symbolisieren. Das Schwert hingegen gilt als Symbol der Macht beziehungsweise der hoheitlichen Gewalt, mit der das gesprochene Recht (gerechtes Urteil) durchgesetzt werden kann.

Als Mahnung, die Wahrheitsfindung durch ein gerechtes Abwägen aller Fakten herbeizuführen, findet man häufig vor bzw. an Rathäusern (z.B. am Rathaus der Stadt Marburg) und Justizgebäuden Figuren, die die Gerechtigkeit in Form der Justitia darstellen.